Linien, Gipfel, Farbe: Die Julischen Alpen im Siebdruck

Heute widmen wir uns der Siebdruck-Topografie, also analogen, minimalistischen Postern der Julischen Alpen, die Höhenlinien, Täler und Pässe in klare Formen und präzise Farbebenen verwandeln. Wir verbinden Werkstattpraxis, kartografische Sorgfalt und alpine Erinnerungen, damit jedes Blatt das Gefühl eines kühlen Morgens am Triglav, das Echo von Felswänden und die Ruhe weit gespannter Täler trägt und sammelbar, langlebig sowie berührbar bleibt.

Von Karten zu Kunst

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Höhenlinien als Rhythmus

Höhenlinien werden zu rhythmischen Spuren, deren Abstand Steilheit verrät und deren Schwingen über Geländerücken führt. Indem wir sie glätten, vereinfachen und behutsam neu gewichten, entsteht keine sterile Kopie, sondern eine lesbare Partitur des Geländes. Der Blick folgt den Linien wie einer Melodie, erkennt Sättel, Kare und Scharten, und findet in der Klarheit des Drucks Raum, das eigene Gedächtnis an Wind, Geröll und knirschenden Schnee zu verankern.

Farbflächen mit Bedeutung

Farbe dient als Orientierung, nicht als Ablenkung. Eine kühle Blaugrün-Schicht ruft die Soča in Erinnerung, ein gedämpftes Grau legt Kalkfels frei, ein warmes Ocker akzentuiert Almmatten. Jede Schicht hat registrierten Sitz, präzise über Passermarken geführt, sodass Überlagerungen Lesetiefe erzeugen. Wenige Töne genügen, wenn ihre Rollen klar definiert sind: Differenzieren, fokussieren, atmen lassen, statt überreden zu wollen.

Das Handwerk des Siebdrucks

Im Atelier beginnt alles mit dem beschichteten Rahmen, einem fein abgestimmten Gewebe und einer sauber belichteten Schablone. Zwischen Emulsionsschicht, Rakelwinkel und Papierfeuchte entscheidet sich, ob eine Linie federnd klar erscheint. Analoge Entscheidungen – Drucktempo, Druckdruck, Zwischentrocknung – verleihen jedem Exemplar dezente Individualität, die auf dem Papier als leise Vibration und lebendige Kante sichtbar wird.

Rahmen und Gewebe

Ein 90–120T-Gewebe bringt die nötige Auflösung für feine Höhenlinien, ohne die Farbe zu drosseln. Der Aluminiumrahmen bleibt formstabil, sodass Registertreue über mehrere Schichten gewahrt wird. Sorgfältiges Entfetten, gleichmäßige Emulsionsschichten und penible Kontrolle von Spannung, Feuchte und Temperatur sichern die Grundlage. Wer hier Geduld investiert, erntet später Linien, die wie gezeichnet aussehen, jedoch wiederholbar präzise drucken.

Belichtung und Schablone

Die Belichtungszeit wird auf die Linienbreite kalibriert, damit feine Konturen sauber auswaschen und geschlossene Flächen nicht unterwandert werden. Filmpositive mit sattem Schwarz verhindern Streulicht. Nach dem Auswaschen trocknet das Sieb spannungsfrei, kleine Retuschen schließen Nadellöcher. Diese Sorgfalt zahlt sich beim Andruck aus: Kanten stehen, Farbverläufe bleiben kontrolliert, und die Materialität der Linien bleibt deutlich fühlbar.

Zug, Druck, Wiederholung

Der Rakel mit 65–75 Shore gleitet in konstantem Winkel, während die Hand nur so viel Druck gibt, wie die Linie braucht. Zwischen den Schichten helfen Hitzetunnel oder Lufttrocknung, den Bogen plan zu halten. Passerstifte, Markierungen und ruhige Wiederholung gewährleisten Deckungsgleichheit. In diesem Takt entsteht Serie für Serie – ähnlich, niemals identisch – und genau darin liegt der besondere Reiz handwerklicher Präzision.

Morgenlicht am Triglav

Wenn die Sonne knapp über dem 2.864 Meter hohen Gipfel aufgeht, scheint jede Konturlinie zu schimmern. In der Druckumsetzung wird dieses leise Glühen zu einer feinen Aufhellung, die wir über Papierwahl und kühle Töne andeuten. Nicht Effekte, sondern Resonanzen: Die Hand hält inne, die Rakel gleitet bewusster. So findet das erste Licht des Tages als ruhige Nuance seinen Weg auf den Bogen.

Kalkgrau und Schmelzwasser

Das helle Grau der Kalkwände bricht in den Tälern zu Türkis, wo Schmelzwasser die Soča speist. Diese Spannung übersetzen wir in ein kontrolliertes Zusammenspiel aus neutralen und kalten Tönen. Scharfe Linien treffen auf weiche Flächen, die Kälte bleibt spürbar, doch nie hart. Der Kontrast führt das Auge, ohne zu schreien, und macht die Geologie fast körperlich erfahrbar.

Täler, die atmen

Breite Trogtäler und enge Schluchten fordern unterschiedliche Dichten. Wir lockern, wo Luft sein soll, und verdichten, wo Nähe herrscht. Im Druck heißt das: mehr Weißraum, weniger Überlagerung, bewusst gesetzte Ruhepunkte. So entsteht eine Atmung, die dem Betrachter Platz gibt, eigene Erinnerungen an Pfade, Rastplätze und schmale Bachquerungen zwischen die Linien zu legen und den Blick immer wieder neu zu verankern.

Minimalismus mit Charakter

Die Reduktion auf Linie, Fläche und wenige Farben verlangt Haltung. Jedes Detail braucht einen Grund, jeder Zentimeter Weißraum eine Funktion. Koordinaten, Höhenangaben und ein feines Gitternetz treten zurück, bleiben jedoch als sachliche Anker verfügbar. So entsteht eine stille Balance aus Poesie und Genauigkeit, die Wohnzimmer, Studio oder Atelier in eine kleine, klare Landschaft verwandelt, ohne je belehrend oder kalt zu wirken.

Leerräume als Bühne

Weißraum ist kein Mangel, sondern Bühne für Linie und Form. Er lenkt den Blick, öffnet Perspektiven und verhindert, dass Information erstickt. In der Praxis bedeutet das: mutige Ränder, ruhige Zentren, sorgfältig gesetzte Akzente. Wer Leerräume ernst nimmt, erlaubt dem Motiv zu sprechen, als würfe man im Gebirge den Rucksack ab, atmete tief durch und sähe plötzlich weiter, klarer und freundlicher.

Typografie, die atmet

Schlanke Groteskschriften, sparsam gesetzt, tragen Koordinaten, Höhen und Namen, ohne zu dominieren. Kerning und Laufweite werden so justiert, dass Zahlen und Buchstaben wie kleine Wegzeichen wirken. Alles Überflüssige verschwindet, alles Nötige bleibt. Diese Zurückhaltung würdigt die Landschaft, schützt die Lesbarkeit und schafft eine ruhige, respektvolle Stimme, die Informationen anbietet, statt sie aufzudrängen.

Koordinaten als Erinnerung

Breiten- und Längengrade, Gipfelhöhe, vielleicht ein Datum des eigenen Aufstiegs: Solche Angaben verwandeln das Blatt in einen persönlichen Marker. Wir platzieren sie dezent, damit sie erst beim zweiten Blick wirken. Die Karte bleibt offen für universelle Betrachtung, erlaubt aber intime Andockpunkte. So entsteht ein leiser Dialog zwischen Ort, Papier und Betrachter, der jedes Exemplar unverwechselbar macht.

Nachhaltigkeit und Materialwahl

Wer Berge liebt, druckt verantwortungsvoll. Säurefreie, alterungsbeständige Papiere schützen die Arbeit langfristig, wasserbasierte Farben reduzieren Emissionen, und kurze Produktionswege sparen Ressourcen. Gleichzeitig zählt Haptik: eine matte Oberfläche, spürbare Grammatur, zuverlässige Dimensionsstabilität. Nachhaltigkeit ist hier kein Zusatz, sondern Fundament, damit die Schönheit der Julischen Alpen nicht nur abgebildet, sondern auch in der Herstellung respektiert und bewahrt wird.

Passepartout oder Rand

Ein großzügiger Rand lässt Linien atmen, ein Passepartout strukturiert zusätzlich. Beide Lösungen können funktionieren, wenn sie Proportionen respektieren. Wir prüfen Motivdichte, Papierton und Rahmenfarbe, bevor wir entscheiden. Das Ergebnis ist keine Verkleidung, sondern eine Bühne, die das Auge ruhig führt, Spiegelungen mindert und der grafischen Topografie jene Gelassenheit gibt, die sie im Druck verdient.

Licht und Klima

Direkte Sonne bleicht, hohe Feuchte wellt. Deshalb empfehlen wir gleichmäßiges, indirektes Licht, UV-Schutzglas und eine Wand fern von Heizkörpern. Mikrobewegungen des Papiers werden durch solide Rückwände und säurefreies Klebeband abgefangen. So bleibt der Druck plan, die Farben klar, und die feinen Linien wirken wie frisch gezogen, selbst wenn draußen Jahreszeiten und Raumklima unablässig wechseln.

Dein Gipfel, dein Abdruck

Schick uns die Koordinaten deines besonderen Ortes in den Julischen Alpen: ein Sattel, ein Grat, ein Bachknie. Wir prüfen Machbarkeit, skizzieren Varianten und teilen Zwischenschritte. Vielleicht wird daraus ein kleiner, limitierter Lauf. Du bringst Erinnerung, wir bringen Handwerk, und gemeinsam lassen wir ein Blatt entstehen, das dein Erlebnis bewahrt und anderen neue Wege zeigt, Landschaft auf Papier zu begegnen.

Fragen, auf die wir antworten

Ob Meshzahlen, Papiergewichte oder die Frage, warum wir Ocker statt Beige drucken: Frag uns alles. Wir beantworten transparent, zeigen Fehldrucke, erklären Registertricks und reden offen über Entscheidungen. So wird der Prozess nachvollziehbar, und du siehst, wie viele kleine Handgriffe nötig sind, damit aus Daten, Farbe und Haltung eine ruhige, verlässliche Komposition wird, die lange Freude macht.

Bleib in der Spur

Wenn du Updates zu neuen Pässen, Tälern oder Sonderfarben wünschst, abonniere unsere Nachrichten. Wir melden uns nur, wenn es wirklich etwas zu erzählen gibt: frische Entwürfe, Andrucke, Termine für offene Werkstatttage. Antworte gern, sende Feedback, stimme über Farbwelten ab. So bleiben wir gemeinsam auf Kurs, und jede nächste Linie sitzt ein kleines Stück sicherer.
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