Wenn die Sonne knapp über dem 2.864 Meter hohen Gipfel aufgeht, scheint jede Konturlinie zu schimmern. In der Druckumsetzung wird dieses leise Glühen zu einer feinen Aufhellung, die wir über Papierwahl und kühle Töne andeuten. Nicht Effekte, sondern Resonanzen: Die Hand hält inne, die Rakel gleitet bewusster. So findet das erste Licht des Tages als ruhige Nuance seinen Weg auf den Bogen.
Das helle Grau der Kalkwände bricht in den Tälern zu Türkis, wo Schmelzwasser die Soča speist. Diese Spannung übersetzen wir in ein kontrolliertes Zusammenspiel aus neutralen und kalten Tönen. Scharfe Linien treffen auf weiche Flächen, die Kälte bleibt spürbar, doch nie hart. Der Kontrast führt das Auge, ohne zu schreien, und macht die Geologie fast körperlich erfahrbar.
Breite Trogtäler und enge Schluchten fordern unterschiedliche Dichten. Wir lockern, wo Luft sein soll, und verdichten, wo Nähe herrscht. Im Druck heißt das: mehr Weißraum, weniger Überlagerung, bewusst gesetzte Ruhepunkte. So entsteht eine Atmung, die dem Betrachter Platz gibt, eigene Erinnerungen an Pfade, Rastplätze und schmale Bachquerungen zwischen die Linien zu legen und den Blick immer wieder neu zu verankern.